Morija berichtet von ihren Erfahrungen und den Herausforderungen mit den Spargruppen für Frauen im Süden des Tschads.

Projekte der Entwicklungszusammenarbeit gehen häufig einher mit wirtschaftlicher Entwicklung, Hoffnung und weitreichenden Veränderungen. Doch Veränderungen, auch positive, können manchmal heikle Gleichgewichte aus dem Lot bringen. Die Erfahrung von Morija im Tschad zeigt, wie wichtig es ist, eng mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten, um gemeinsam eine nachhaltige Entwicklung anzustossen.
Von Morija
Das Projekt „Sparen für die Veränderung“, das Morija im Tschad und in Burkina Faso umsetzt, bietet den Frauen neue Chancen: Sie können sich zusammentun, gemeinsam sparen und in kleine Erwerbstätigkeiten investieren. Frauen zu unterstützen, bedeutet, die gesamte Gemeinschaft zu unterstützen: Frauen reinvestieren 90 % ihrer Einkünfte in ihre Familie und ihre Gemeinschaft. Dadurch beteiligen sie sich stärker an den Haushaltsausgaben und den Schulgebühren für die Kinder, und sie verbessern die Gesundheit ihrer Familie.
Von Morija geschulte Moderator:innen bilden Gruppen von 15 bis 30 Frauen. Gemeinsam legen sie ihre Regeln fest, sparen regelmässig und vergeben interne Kredite. Während des gesamten Prozesses erhalten die Frauen Schulungen in Management, Unternehmertum und einkommensschaffenden Aktivitäten (Handel, Handwerk, Gemüseanbau, Geflügelzucht…). Sie erwerben die notwendigen Fähigkeiten, um kleine, tragfähige und rentable Projekte zu entwickeln.
Die Gruppen „Sparen für die Veränderung“ stärken die Eigenständigkeit und den sozialen Zusammenhalt, indem sie zu Räumen gegenseitiger Unterstützung werden. Die Frauen ermutigen einander, teilen ihre Erfahrungen und organisieren sich, um die Lebensqualität ihrer Familien nachhaltig zu verbessern.
In einigen Dörfern im Süden des Tschads haben diese Fortschritte jedoch zu Spannungen in der Gemeinschaft geführt. Einige der Frauen stiessen mit ihrer neu gewonnenen Eigenständigkeit bei ihren Ehemännern auf Unverständnis oder Frustration, bis hin zu Gewalt. Andere waren nicht gut auf ihre neue Rolle vorbereitet, was zu Verhaltensweisen führte, die ihr Umfeld nicht verstand, etwa zu einem hohen Alkoholkonsum.
Angesichts dieser Spannungen beschloss Morija, zuzuhören, zu verstehen und mit Bescheidenheit zu handeln.
Im April 2025 besuchte Morija gemeinsam mit einer Vertretung des tschadischen Referats für Frauen, Familie und Kinderschutz acht Dörfer in der Region Mandoul im Süden des Tschads. Das Ziel? Die Projektpartnerinnen, ihre Ehemänner und die traditionellen Gemeinschaftsvorstehenden zu sensibilisieren, um Gewalt zu verhindern und ein von Respekt und Dialog geprägtes Klima in den Familien zu fördern.
Der Ansatz wurde positiv aufgenommen. Bei den Begegnungen sprach man ohne Tabu über die Schwierigkeiten. Der Grundton war freundlich, aber klar: Das Projekt darf nicht zu Streit führen, die Ehepaare müssen sich gegenseitig respektvoll begegnen und solidarisch miteinander sein. Die Referentin für Frauenfragen betonte die kulturellen Prägungen und ermahnte: „Die Frau ist eine Partnerin, eine Hilfe, die Gott dem Mann zur Seite gestellt hat.“ Sie rief die Männer auf, ihre Frauen zu unterstützen und sich die Ziele des Projekts zu eigen zu machen.
Bei diesen Begegnungen konnten alle Seiten ihre Anliegen zum Ausdruck bringen. „Das Projekt hat den Frauen geholfen, sich von der Last der Armut zu befreien, indem sie einen Beitrag zu den Haushaltsausgaben leisten“, freute sich der Verantwortliche der Unterpräfektur. „Aber einige Frauen verhalten sich nicht so, wie es das Projekt vorsieht. Das hat zu Frustrationen geführt. Es darf aber kein Vorwand für die Ehemänner sein, um ihre Frauen zu misshandeln.“
Diese Erfahrung erinnert uns an etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Entwicklung ist nicht einfach eine Übertragung von Lösungen. Es geht um das Leben der Menschen, ihre Beziehungen und ihre Bezugspunkte. Deshalb verfolgt Morija bei seinen Projekten stets das Ziel, keinen Schaden anzurichten. Das bedeutet, dass wir die direkten und die indirekten Folgen eines Projekts vorwegnehmen, auf die Menschen hören und lokal angepasste Lösungen suchen.
Die Projekte von Morija im Tschad und in Burkina Faso sind Teil des Globalprogramms Resilience 360 von Interaction.
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