Von Avocadosetzlingen zu Stabilität: Wie eine Gruppe von Bäuerinnen und -bauern gemeinsam Hoffnung anbaut.

Während seines Projektbesuchs bei World Vision Tanzania vom 16.-19. Februar 2026 traf Matthieu Dobler Paganoni in der Gemeinde Wasa eine Gruppe von Kleinbauern und -bäuerinnen, die ihre Gemeinschaft still und beharrlich verändern, mit einem Avocadobaum nach dem anderen.
Von Matthieu Dobler Paganoni, Interaction Schweiz
Was 2025 als kleine Initiative begann, ist heute eine funktionierende Produzent:innen- und Spargruppe mit 24 Mitgliedern (14 Frauen und 10 Männern). Mit Unterstützung von World Vision und einem lokalen Beratungsdienst beschlossen sie, gemeinsam in ein Avocadogeschäft zu investieren, aber nicht mit externem Kapital, sondern mit ihren eigenen Ersparnissen.

Mitglieder der Produzent:innengruppe zwischen den Setzlingen der Avocadobäume in Wasa, Tansania.
Jeder Setzling kostet rund 5000 tansanische Schilling. Die Gruppe erhielt Schulungen in Unternehmertum, Sparen für Veränderung und einem gestärkten Weltbild. Dazu lernten sie praktische landwirtschaftliche Fähigkeiten wie das Veredeln lokaler Avocadounterlagen mit verbesserten Hybridsorten. Der Unterschied ist bemerkenswert: Während lokale Avocadobäume bis zu acht Jahre brauchen, um Früchte zu tragen, liefern die Hybridsorten bereits nach drei Jahren Erträge.
Heute bewirtschaftet die Gruppe über 6000 Setzlinge, hat bereits mehr als 2000 Avocados verkauft und arbeitet an der Errichtung einer Avocadofarm auf einer Hektare Land. Dank einer Zertifizierung können sie ihre Produkte nun auch ausserhalb ihrer Region verkaufen und haben Zugang zu grösseren Märkten in ganz Tansania.

Avocadosetzlinge in der Baumschule in Wasa, mit Mitgliedern der Produzent:innengruppe im Hintergrund.
World Vision hat das Projekt nicht geführt, sondern dazu verholfen, ihm Aufwind zu geben. Die Organisation unterstützte die Gruppe mit gezielten Mitteln wie Schattennetzen zum Schutz der jungen Pflanzen vor der Sonne, Pflanzentüten aus Kunststoff, Schulungen und Unterstützung beim Zugang zu einer Bewässerungspumpe. Die Verantwortung blieb ganz klar bei den Bäuerinnen und Bauern.
Durch ihre Spar- und Kreditaktivitäten hat die Gruppe bereits drei besonders schutzbedürftige Kinder unterstützt und Familien geholfen, Schulmaterial und Dünger zu bezahlen. Wenn die Gruppe zusammenkommt, geht es nicht nur um Landwirtschaft und Geschäfte. Die Gespräche drehen sich oft um Erziehung, Ernährung und die Gesundheit der Kinder. So werden die Ursachen von Mangelernährung gemeinsam mit der Einkommenssicherung angegangen.
Die Initiative ist offensichtlich attraktiv: Während unseres Besuchs hatte ein weiterer Mann gerade darum gebeten, der Gruppe beizutreten, und die Mitglieder planen nun, die Zahl ihrer Setzlinge zu verdoppeln. Einige kaufen sogar Setzlinge von der Gruppe, um sie zu Hause zu pflanzen, und verbreiten so die Wirkung weiter.
Diese Avocadofarm ist mehr als nur Obstanbau. Sie steht für gemeinschaftliches Engagement, Würde, Lernen und langfristige Hoffnung. Sie erinnert auch daran, dass Transformation von unten wachsen kann, wenn Gemeinschaften mit den richtigen Fähigkeiten, Vertrauen und bescheidener Unterstützung ausgestattet werden.
Dieses Projekt gehört zum Globalprogramm Resilience 360 von Interaction, das in Zusammenarbeit mit World Vision Schweiz und weiteren sieben Mitgliedsorganisationen des Dachverbands und deren Partnern umgesetzt wird.
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