AVC bietet verfolgten Christ:innen schützende Räume im kriegserschütterten Land.

Vertriebene und traumatisierte Christinnen und Christen in Mali finden ein neues Zuhause: Die ersten 30 Familien sind Ende 2025 in die «Nehemia-Siedlung» von Aktion für verfolgte Christen und Notleitende (AVC) eingezogen und finden hier eine neue Existenzgrundlage. Doch viele andere leben in der Hauptstadt immer noch in prekären Verhältnissen. Auch sie unterstützt AVC. Eine gefährliche Arbeit, denn dschihadistische Kämpfer stehen bereits vor den Toren Bamakos.
Von Martin Niklaus, AVC Schweiz
Der Mensch ist fürs Paradies geschaffen, doch dieses ist längst verloren. Nur ein kleiner Teil der Menschheit lebt in Sicherheit und Wohlstand; für die meisten bedeutet das Leben vor allem Leid. Ganz vorne dabei ist Mali. Rund dreissig Mal passt die Schweiz in die Landesfläche des westafrikanischen Binnenstaates. Seit über zehn Jahren dreht sich die Spirale der Krise kontinuierlich abwärts: Hunger, Gewalt und Unsicherheit prägen den Alltag der Bevölkerung.
Neben Desertifikation und struktureller Misswirtschaft verschärft der wachsende Einfluss islamistischer Terrormilizen die Not. Nach dem Militärputsch 2012 nutzten sie das Machtvakuum, um in Nordmali Fuss zu fassen und ihren Einfluss auszubauen. Besonders Christ:innen, aber auch moderate Muslim:innen, leiden unter Verfolgung, Angst und Vertreibung. Weite Teile Nord- und Zentralmalis sind inzwischen nahezu entvölkert, während die Milizen bis vor die Tore der Hauptstadt Bamako vorrücken. Die Bevölkerung und die zehntausenden Binnenvertriebenen, die dort Zuflucht gefunden haben, stehen sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand.
Die Befreiung aus Not verlangt ein doppeltes Augenmerk: Einerseits müssen die physischen Bedürfnisse der Menschen – Sicherheit, Nahrung, Perspektive – gestillt werden, andererseits ist die geistliche Dimension des Leids zu berücksichtigen. Es braucht eine Theologie, die Leiden einordnet. Als Christ:innen sollen wir beide Aspekte ernst nehmen.
AVC unterstützt Binnenvertriebene, indem lokale Kooperationen Sicherheit und Perspektive schaffen. Im „Nehemia-Dorf“ bieten die Häuser Familien, die alles verloren haben, einen Neuanfang. Durch gemeinschaftlich organisierte Projekte wie Gemüseanbau, Viehzucht oder Mango-Plantagen können sie selbst für sich zu sorgen. Nach Jahren von Terror und Vertreibung geniessen die Dorfbewohner:innen das Privileg zusammenzukommen und ihren Glauben leben zu können. Die neu gebaute Kirche ist dafür der ideale Ort.
Doch viele andere, besonders in Bamako, haben diese Chance nicht. Zehntausende vertriebene Christ:innen warten dort auf Hilfe. AVC unterstützt sie mit Lebensmitteln, finanzieller Hilfe und Gemeinschaftsangeboten. Unsere Teammitglieder riskieren immer wieder ihr Leben, um Christ:innen in entlegenen Dörfern zu versorgen. Warum tun sie das? Sie wollen helfen – und sie glauben den Verheissungen der Bibel: Leid gehört zum Leben, aber in der Ewigkeit warten Trost und Hoffnung. Mit beiden Blickwinkeln sollen wir wirken: Versorgung anstelle von Mangel – Hoffnung anstelle von Verzweiflung.
Foto von AVC: Neue Lebensgrundlage: In der Kooperation versorgen die Familien sich selbst.
Anmerkung: Dieser Artikel soll die vielseitige Arbeit der Mitgliedsorganisationen von Interaction weltweit aufzeigen. Das erwähnte Projekt wird nicht von Interaction ko-finanziert.
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